Weblogs
Blogs sind in. Die Internet-Tagebücher könnten sich zu einer idealen Kommunikationsplattform zwischen Spender und Organisation entwickeln.
Bloggen: Das Prinzip Dialog
Weblogs waren zunächst ausschließlich als „kommentierte Linksammlungen“ für das Internet konzipiert worden. Das heißt, auf einer Internetseite findet der User auf einen Klick diverse nach Themen sortierte Texte und Informationen. Durch eine Antwortfunktion aber entwickeln sich seit einigen Jahren Weblogs mehr und mehr zu „Kommentar- und Leserbriefseiten“. Alle eingestellten Beiträge sind für jeden nachfolgenden User der Site einsehbar und bieten somit Gelegenheit zum schriftlichen Dialog.
Über 300.000 Zugriffe
Die Bank für Sozialwirtschaft (BFS) in Köln nutzt diese technische Möglichkeit seit Jahren. Als Fachbank für das Gesundheits- und Sozialwesen gehört es zu ihrem Selbstverständnis, auch als Dienstleister in Sachen Information aufzutreten. Für Bernd Labetzsch, Marketingleiter der BFS, bot sich durch diese neue Internettechnik eine optimale Lösung, täglich Wissenswertes rund um die Fundraising-Szene in einem Weblog zu bündeln. „In der Fundraising-Szene sind wir sogar europaweit das einzige Unternehmen, das dieses Angebot in sein Portfolio aufgenommen hat.“ Breit gefächerte Informationen auf einen Klick. „Natürlich kann jeder, der etwas zum Thema Spenden, Mittelbeschaffung, Gründung einer Stiftung, aktuelle Urteile o. Ä. sucht, etliche Homepages aufsuchen oder sich durch diverse Suchmaschinen quälen. Aber oft ist ja genau das die Krux des Surfers, dass er vor lauter Pages gar nicht weiß, welche Quelle seriös, welche informativ ist etc. In unserem Weblog finden Sie täglich in konzentrierter und inhaltlich geprüfter Qualität, was im gesamten deutschsprachigen Raum zum Thema Fundraising passiert.“ Bernd Labetzsch erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch über 300.000 Zugriffe allein in den ersten beiden Jahren geben ihm und seiner Idee Recht.
Dialog zum Spender fördern
Eines jedoch bedauert der Marketingexperte sehr: „Es gibt noch nicht einmal eine Hand voll Hilfsorganisationen in Deutschland, die Weblogs als Dialoginstrument zu ihren Spendern einsetzen. Eine Idee wäre beispielsweise, dass NPOs projektbezogene Berichte auf ihre Homepage stellen und so dem Interessierten oder Spendern die Möglichkeit zum zeitnahen Nachfragen gewähren.“ Gesagt, getan. Eine der wenigen Hilfsorganisationen, die diese Internettechnik nutzen, ist das internationale Kinderhilfswerk UNICEF in Köln. Dreimal schaltete es Weblogs: anlässlich der Tsunami-Katastrophe in Südindien, zum G-8-Gipfel im Sommer in Schottland und im Herbst des Jahres auf Grund eines Projektbesuches von Eva Luise Köhler, der Ehefrau des Bundespräsidenten, in Sambia. „Durch das Weblog schlagen wir auf leichtem Weg eine Brücke für jeden Interessierten zwischen Information und Fundraising“, beschreibt Joachim Tomesch vom Kinderhilfswerk das Tool. „Auf effiziente Weise verbinden wir diese beiden wichtigen Bereiche. Während der Tsunami-Katastrophe machten wir darüber hinaus die Erfahrung, dass wir durch das Weblog eine ganz neue Spenderklientel, nämlich die jüngere Zielgruppe, generieren konnten.“
Dialog im Gästebuch
Zwar nicht in Form eines Weblogs, wohl aber als Gästebuch bietet die Kindernothilfe in Duisburg ihren Spendern und Interessierten eine Internetdialogform an. „Hierin kann jeder einen Leserbrief online auf unsere Homepage stellen und damit seine Meinung öffentlich zu unserer Organisation oder Projekten machen“, erläutert Pressesprecher Sascha Decker die Idee. „Hierin können natürlich auch Fragen an uns formuliert werden, genauso aber auch Kritik geäußert werden.“ Um Spam-Einträgen, Unsittlichem oder moralisch Verwerflichem vorzubeugen, wird das Gästebuch täglich beobachtet und bei Bedarf gereinigt. Pro Jahr verzeichnet die Kindernothilfe rund 125 Einträge. Für das kommende Jahr hat sich die Organisation einen Relaunch ihres gesamten Internetauftrittes vorgenommen. Verbessert und erweitert werden soll dann auch die Gästebuchfunktion.
Weblog [das]:
Kunstwort aus ´Web´ und ´Logbuch´, üblicherweise nur ´Blog´ genannt; ursprünglich nur für kommentierte Linksammlungen, inzwischen für Webseiten verschiedenen Inhalts, an die immer wieder neue Inhalte angefügt werden, entweder von einem oder von mehreren Autoren, den sogenannten Bloggern; außerdem können in der Regel beliebige Surfer Kommentare an Weblogs anhängen.

