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Fundraising 2.0 - wie das Internet das Fundraising verändert.

Einige nennen es Internet-Fundraising, www- oder eFundraising, andere bezeichnen es als Web-Fundraising oder auch schlicht Online-Fundraising. Und doch meinen alle dasselbe: Spenden über das Internet zu generieren.

Ist denn Fundraising 2.0 nun auch nur ein neues Wort für alte „Weisheiten“? Oder verbirgt sich hinter der Bezeichnung ganz im Sinne des Web 2.0 wirklich ein Paradigmenwechsel?

Zumindest können wir festhalten, dass das Internet nicht mehr aus unserer Welt wegzudenken ist. Über 80% sind schon „drin“ und täglich steigt die Zahl derer, die auf den Net-Zug aufspringen. Insbesondere bei der sehr spendenaffinen Zielgruppe 50+ sind die Zuwachsraten am Größten (Steigerung der Onliner von 2,5% auf 22% in 10 Jahren). Hinzu kommt, dass die Durchschnittsspenden im Internet doppelt zu hoch sind wie im Offline-Bereich, die Werbe- und Verwaltungskosten aber dafür ca. 50% geringer. Also rundum eine gute Sache.

Doch die Frage aller Fragen bleibt: Wird das Internet die anderen Instrumente (Mailing, Telefon, Face-to-Face etc.) in Zukunft verdrängen oder gar ersetzen? Hellseher, wer darauf eine klare Antwort hat. Einfallspinsel, wer glaubt, dass alles beim Alten bleibt. Wie immer wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen.

Auf jeden Fall bestimmen neue Gesetzmäßigkeiten und Begriffe das Web.

So wurde es in den letzen Jahren vom Push- zum Pull-Medium. Wer also keine Nachfrage erzeugt, der wird auf seiner Homepage auch keine Besucher haben. Hierbei haben sich insbesondere Suchmaschinen, Webkataloge, Internet-Portale und nicht zuletzt Empfehlungen von Freunden als besonders geeignet herausgestellt. Zusätzlich bietet insbesondere das Suchmaschinen-Fundraising die Möglichkeit, durch die gezielte Verlinkung auf spezielle Themenseiten (Deeplink), Besucher noch gezielter zu führen.

Das Besondere am Internet ist die Vielfalt der Methoden. So können wir informieren, interagieren und werben und dass alles zur selben Zeit. Hierauf beruht auch der Erfolg des World Wide Web und dessen Schwierigkeiten. Denn als noch sehr junge Marketingdisziplin gibt es wenig Wissen und viel Glauben. Außerdem verliert man bei der Fülle an Informationen und Methoden ganz schnell mal den Überblick. Deshalb mein Tipp, sich hier eine Beschränkung in Form eines Grundrasters anzulegen. Nach dem Prinzip FIND – STAY – ACT – CONNECT sollten wir klar machen, was wir wollen und wo wir stehen. Denn was bringt es schon, teure Suchbegriffe bei Google zu belegen, wenn die Spendensite den potenziellen Spendern nicht das Optimum an Glaubwürdigkeit, Transparenz und Sicherheit bietet? Da kann die Conversionrate nur auf der Strecke bleiben und viel Geld verschwendet werden.

Bloggen, vodcasten, flickrn, tuben oder auch einfach nur chatten, was der User so alles im „neuen Web 2.0“ tun und lassen kann, dass ist natürlich auch für das Fundraising von Bedeutung. Im Wesentlichen beschreibt der Begriff die Umwandlung des Internets von einer Sammlung von Internetseiten hin zu einer vollständigen Computerplattform, die Anwendungen und Daten unterschiedlichster Art für die Benutzer bereit stellt.

Eines von vielen charakteristischen Merkmalen des Web 2.0 sind Anwendungen, die Menschen und Inhalte miteinander vernetzten. Hierbei ist insbesondere die vereinfachte Form Internetseiten zu erstellen hervorzuheben. Denn Sie ermöglicht Usern die einfache Vernetzung und den Austausch von Bildern, Texten, Tönen und Videos. Prominentestes Beispiel ist Wikipedia, ein großes Lexikon, das als dynamisches Programm online zur Verfügung gestellt wird. Tausende Internetnutzer können selbständig kleine Beiträge schreiben und sich gegenseitig korrigieren. Das Ergebnis: die beste Enzyklopädie der Welt, ganz einfach weil sie lebendig ist und ständig von tausenden „Mitarbeitern“ weiterentwickelt wird.

Diese „Social Software“, wie sie auch genannt wird, müsste ja insbesondere bei Sozialen Organisationen auf fruchtbaren Boden fallen. Insofern ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Internetseiten der Spendenorganisationen von Spendern und Mitgliedern mitgestaltet werden. Dies hat den Vorteil, dass z.B. die Sites von Greenpeace, Amnesty International, Johanniter, Christoffel Blindenmission oder auch UNICEF in naher Zukunft die neusten Informationen bündeln, was selbst Nachrichtenagenturen nicht leisten können.

Diese Vision sollte man im Kopf haben, wenn man sich über seinen nächsten Internet-Relaunch Gedanken macht oder als „First Mover“ Potenziale für die Zukunft erschließen will. Aber auch schon jetzt, hier und heute kann keine Organisation es sich leisten, auf die Möglichkeiten des Online-Spendens zu verzichten. Nicht nur Kinderhilfs- und Jugendorganisationen haben das Internet bereits heute als ein sehr erfolgreiches und profitables Einnahme-Instrument entdeckt und entwickelt. Auch die sogenannten „Katastrophenhilfsorganisationen“ wie z.B. das DRK, Diakonie Katastrophenhilfe, Caritas International oder auch Ärzte ohne Grenzen haben die positive Wirkung des Internets auf die Spendenbereitschaft der Menschen erlebt. Und das nicht nur zu Zeiten des Tsunami.

Wir sollten die Chancen und Möglichkeiten des Fundraising 2.0 und wie wir dorthin gelangen auch in der Fundraising-Community ausgiebig diskutieren.

Jörg Gattenlöhner

 

PS: Mehr zu dem Prinzip FIND – STAY – ACT – CONNECT bei den nächsten Tipps.

 

Portrait von Jörg Gattenlöhner

Jörg Gattenlöhner ist Marketing-Chef und Prokurist bei der GFS Fundraising & Marketing GmbH. Mit 12 Jahren Fundraising-Erfahrung ist er einer der führenden Experten in diesem Bereich. In der Werbebranche hat der studierte Politologe und Manager viele Jahre gelernt, was Kommunikation und Interaktion mit Zielgruppen bedeutet. "Um Menschen zum Spenden zu bewegen und langfristig einen gelingenden Dialog mit ihnen zu führen, bedarf es vieler Jahre Erfahrung und Feingefühl", betont er. Feingefühl ist nicht nur bei "Offline-Mailings" unverzichtbar, die nach wie vor den Großteil der Spenden-Einnahmen ausmachen. Feingefühl ist auch nötig, wenn es um das Spenden per Internet geht. "Keine Organisation kann heute noch Online-Spenden verzichten", sagt Gattenlöhner.