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Ein Gesicht dank Haustürsammlung

Die Haustürsammlung wirkt in Zeiten von Datamining und flächendeckenden Mailingaktionen wie Fundraising aus der Steinzeit. Aber weit gefehlt! Der Gang mit der Sammelbüchse von Tür zu Tür ist immer noch ausgesprochen erfolgreich, wenn Vertrauen und Image der NPO stimmen.

Die Fürsorge für Arme und Kranke war seit jeher der christliche Grundgedanke und Motor mancher Spendenaktion. Dabei wurde in früheren Zeiten meist von Angesicht zu Angesicht um Hilfe gebeten. Im 16. Jahrhundert beispielsweise zogen hierzulande Studenten in sogenannten Heischegängen von Haustür zu Haustür. War die klingende Münze rar, sammelten sie Naturalien für den Eigenbedarf.

Im 21. Jahrhundert sind Haustürsammlungen nur noch bei einer handvoll Hilfsorganisationen fester Bestandteil ihres Fundraisinginstrumentariums. Höchst erfolgreich, zumindest in den katholisch geprägten Landesteilen Deutschlands, ist das Päpstliche Kindermissionswerk „Die Sternsinger“. Seit dem Dreikönigstag im Jahr 1959 ziehen Jahr für Jahr in den ersten Januartagen Kinder und Jugendliche, verkleidet als die drei heiligen Könige aus dem Morgenland Caspar, Melchior und Balthasar, von Tür zu Tür und sammeln für bedürftige Kinder dieser Welt. „Rund 500.000 Heranwachsende und ca. 100.000 ehren- und hauptamtliche Helfer aus vielen Pfarrgemeinden haben sich in den letzten Jahren an der Aktion beteiligt“, weiß der Präsident des Kindermissionswerkes Monsignore Winfried Pilz zu berichten. „Über interessierten Nachwuchs müssen wir uns keine Sorgen machen, obwohl natürlich jedes Jahr ein Anlauf nötig ist, Kinder zu motivieren.“ Über Spendeneinnahmen aber auch nicht: Seit Gründung 1959 wurden gut 400 Millionen Euro gesammelt.

 

Auf das Image kommt es an

„Transparenz ist heutzutage bei Haustürsammlungen ein immens wichtiger Aspekt“, sagt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen, DZI. „Der Erfolg von Haustürsammlungen ist meines Erachtens entscheidend davon abhängig, für welche Organisation der Sammler unterwegs ist, also für welches Image das Hilfswerk steht und natürlich wie sich der Sammler selbst präsentiert.“ Das bestätigt auch Rosemarie Kleindl. Sie ist die zuständige Fundraiserin beim Bund Naturschutz Bayern e.V., einem Landesverband des BUND. „Durch den Sammler an der Tür bekommt unsere Organisation ein Gesicht. Er kann Fragen beantworten und unverzüglich in einen Dialog mit dem Geber treten.“

Für den regional arbeitenden DRK Landesverband Schleswig-Holstein wie auch für das bundesweit tätige Müttergenesungswerk sind Haustürsammlungen die wichtigste Einnahmequelle. Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes: „Seit Gründung der Stiftung im Jahr 1959 sammeln wir traditionell rund um den Muttertag. Allerdings wird es immer schwerer ehrenamtliche Helfer zu finden.“ Dennoch, im Jahr 2005 konnte sich das Hilfswerk über rund 400.000 Euro „Dosengeld“ freuen. Fast die gleiche Spendenhöhe verbuchte das Rote Kreuz in Kiel im vergangenen Jahr.

 

Die Pressearbeit muss stimmen

Erfolgreich liest sich auch die Haussammlungsgeschichte des Diözesan-Caritasverbandes Freiburg. Jahr für Jahr wird in ca. 700 Pfarreien auf die Sammelwoche im September aufmerksam gemacht. „Wir betten die Aktion in unsere gesamte Öffentlichkeitsarbeit ein“, erläutert Gerhard Lück die Kampagne. „Der Bürger ist informiert, in Pfarreien liegen Informationen aus, auf Plakaten und Aufkleber machen wir aufmerksam.“ Wird ein Spender zu Hause nicht angetroffen, findet er in seinem Briefkasten ein Anschreiben samt Zahlkarte vor. Fast 1,7 Mio. Euro kamen auf diese Weise bei der letzten Sammlung zusammen.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld einer Haustürsammlung scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Das Müttergenesungswerk beispielsweise lädt im Vorfeld zu einer Pressekonferenz nach Berlin ein. Die einzelnen Kreisverbände des BUND in Bayern geben Pressemitteilungen samt Foto der jeweiligen Sammler an lokale Zeitungen heraus. Der DRK Landesverband Schleswig-Holstein veröffentlicht eine Bekanntmachung im entsprechenden Amtsblatt. Ein positives Fazit zieht Burkhard Wilke vom DZI: „Beschwerden seitens verärgerter Spender gibt es bei uns keine. Die Hilfswerke scheinen durch Art und Auftreten der Sammler den Nerv der Geber zu treffen.“