Charitable Gift Funds - Gemeinnützige Anlagefonds
In den USA schon lange ein bewährtes Fundraising-Instrument: Die Charitable Gift Funds. Ob sich diese Form der Stiftung auch auf deutsche Verhältnisse übertragen lässt, sagt Dr. Volker Then vom Centrum für soziale Investitionen und Innovationen der Universität Heidelberg.
Dr. Then, in den USA sind die Charitable Gift Funds als relativ neue Stiftungsform schon lange gang und gäbe. Bitte erklären Sie uns, was sich hinter dem Begriff verbirgt.
Dr. Then: Nehmen wir an, ein wohlhabender US-Amerikaner möchte eine größere Summe nachhaltig einem guten Zweck zuführen, ohne gleich eine eigene Stiftung zu gründen. Die für ihn einfachste, zugleich aber sehr effektive Möglichkeit dazu, bietet ein Charitable Gift Fund. Diese gemeinnützigen Fonds werden seit 1993 von großen Investment-Unternehmen wie Fidelity, Charles Schwab oder Vanguard in den USA aufgelegt. Sie funktionieren wie Investmentfonds zur privaten Vermögensanlage mit dem entscheidenden Unterschied: Die Erträge der Charitable Gift Funds werden gemeinnützigen Zwecken zugeführt und sind nicht reprivatisierbar. Der Fonds selbst ist als Nonprofit-Organisation nach US-amerikanischem Steuerrecht anerkannt. Ab einer Mindesteinlage von US$ 10.000 kann also unser wohlhabender Amerikaner ein solches Investment - Konto eröffnen. Er selbst bestimmt darüber, welchen gemeinnützigen Zwecken oder sogar ganz spezifischen gemeinnützigen Einrichtungen die Erträge des Fonds zugeführt werden. In der einfachsten Form kann ein solches Konto sogar online eingerichtet werden. Das Konto wird gewissermaßen wie jedes Wertpapier-Depot geführt. Über dessen Verwendung entscheidet unser Spender zu Lebzeiten. Für die Zeit nach seinem Tode kann er diese Aufgabe Dritten übertragen. Im Übrigen übernimmt die Fondsgesellschaft die gesamte Verwaltungsabwicklung.
Bitte geben Sie uns ein Beispiel für einen solchen gemeinnützigen Fonds.
Dr. Then: Der größte Marktanbieter des gemeinnützigen Fondsmodells ist Fidelity Investment, der 1992 seinen Charitable Gift Fund gründete. In zehn Jahren ist ein Kapital von mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar auf über 30.000 Anlegerkonten gebildet worden. Während der Boom-Phase der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren führte dies zu so hohen Kapitalerträgen, dass in Spitzenjahren bis zu 22 Prozent des Kapitals ausgeschüttet wurden und der Fidelity Charitable Gift Fund alleine seit seiner Gründung rund drei Milliarden US-Dollar an mehr als 71.000 gemeinnützige Einrichtungen ausgeschüttet hat. Das ist eine ebenso hohe Summe wie das ursprünglich eingezahlte Kapital. Damit ist der Fonds zur zweitgrößten Wohltätigkeitsinstitution
Welche Vorteile haben Zuwender von einer solchen Geldanlage?
Dr. Then: Zum einen steht potenziellen Stiftern damit ein Instrument zur Verfügung, das einen ähnlich geringen Transaktionsaufwand erfordert wie die Vermögensanlage in einem Aktien- oder Rentenfonds. Andererseits kann die Zuwendung steuerlich unmittelbar mit bis zu 50 Prozent geltend gemacht werden. Sowohl Zins- und Aktiengewinne wie auch die Zuwendungen bleiben steuerfrei.
Wären Charitable Gift Funds eine lohnende Innovation auch für das deutsche Stiftungs- und Spendenwesen?
Dr. Then: Ja, gewiss. In den USA haben die Charitable Gift Funds die Stiftungslandschaft um ein weiteres Modell bereichert. Legt man deutsches Recht zugrunde, bewegt sich dieses Modell, wenn man so will, zwischen Spenden und Stiften. Sehen Sie, wer sich in Deutschland als Stifter engagieren will, ohne eine eigene Organisation zu gründen, dem bieten sich zurzeit im Wesentlichen folgende Möglichkeiten: Er kann in eine vorhandene Stiftung ohne Bedingungen zustiften, er kann seine Zustiftung aber auch an eine spezielle Zweckverfügung binden, oder er kann unter dem Dach einer selbständigen Stiftung eine unselbständige Stiftung gründen. Für eine dieser Möglichkeiten muss er sich entscheiden. Mit den Charitable Gift Funds kann man ohne diese Umwege sein Geld einem gemeinnützigen Zweck stiften. Die gemeinnützigen Fonds kombinieren all die genannten Möglichkeiten unter dem Dach einer Finanzgesellschaft. Das Modell setzt eine Investmentgesellschaft voraus, die einen Fonds verwaltet, der als gemeinnützig anerkannt ist. Das ist in Deutschland im Moment nicht gegeben. Dazu benötigen wir noch eine rechtliche Klärung.
