Freiwilligenagenturen
Freiwilligenagenturen oder Vermittlungsstellen für Menschen, die unentgeltlich Gutes tun wollen, gibt es schon etliche Jahre in Deutschland. Dennoch ist nach wie vor vielen Nonprofit-Organisationen diese Quelle von Dienstleistern gänzlich unbekannt.
Vermittlung einer Zeitspende auf Zeit
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e. V. bagfa bündelt rund 200 dieser Ehrenamtsbörsen unter ihrem Berliner Dach. "Die Tendenz ist ganz klar steigend", weiß Projektleiter Tobias Bauer zu berichten. "Der Wille vieler Bürger, sich in ihrer Freizeit einzubringen, andere zu unterstützen, Hilfestellungen zu bieten oder fachliche Lücken durch das eigene Know-how zu füllen, ist vorhanden", so Bauer weiter. Rund jeder dritte Deutsche engagiert sich ehrenamtlich. "Allerdings wollen sie sich heutzutage nur noch ungern dauerhaft binden." Die Zeitspende auf Zeit ist der tragende Gedanke, der hinter der Idee steht.
Das bestätigt auch Juliane Neubert. Sie ist Projektkoordinatorin der Stiftung Gute-Tat.de. "Auf unserer Homepage veröffentlichen wir beispielsweise Projekte, bei denen freiwilliges Engagement manchmal nur einmalig für zwei bis drei Stunden erbeten wird." So konnte die Stiftung erst kürzlich eine Physiotherapeutin an den Verein für alleinerziehende Mütter zur Gestaltung eines "Wohlfühlabends" vermitteln. Und Tobias Bauer erinnert sich an einen Fall, bei dem ein Bankdirektor in Ruhestand sein Wissen bei einer Schuldnerberatung einfließen ließ.
Qualität zählt
Die Beispiele sind so vielfältig wie die Berufsgruppen, die sich anbieten. Die Palette reicht von Grafik-Designern, die bereit sind, gerade kleineren NPOs bei der Erstellung eines Webauftrittes oder Folders kostenfrei zu helfen, über den 91-jährigen rüstigen Rentner, der seine selbstgeschriebenen Geschichten in Seniorenheimen zum Besten gibt, bis hin zu Juristen, Steuerberatern, Buchhaltern, Erziehern oder Lehrern. Um einen hohen Qualitätsstandard zu gewährleisten, setzt die Vermittlung über eine der rund 200 Freiwilligenagenturen immer eine Beratung des Ehrenamtlichen voraus. "Denn genau hier liegt die Kunst des passgenauen Vermittelns", beschreibt Bauer die sensible Arbeit. "Beide Seiten wollen zufriedengestellt werden. Schließlich geht es hier nicht um billige Zuarbeit."
Bundespräsident begeistert
Seit kurzem sind alle freiwilligen Helfer auch unfall und haftpflichtversichert. Ein Service, für den sich der Bundesverband starkgemacht hat. Von der Idee der Förderung des Dritten Sektors zeigte sich Bundespräsident Horst Köhler derart begeistert, dass er spontan die Schirmherrschaft über die bagfa übernommen hat.

