Corporate Social Responsibilty
Böse und Börse unterscheidet zwar nur ein Buchstabe, tatsächlich aber wimmelt es in der Wirtschaft nur so von guten Menschen. Jährlich spenden deutsche Unternehmer über zehn Milliarden Euro.
Wie Firmenbosse Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen
10,3 Milliarden Euro schwer wiegt das soziale Engagement deutscher Unternehmer. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, forsa. Corporate Social Responsibility (CSR), also die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung für gemeinnützige Zwecke, haben sich Mittelständler genauso auf die Fahne geschrieben wie die Lenker großer Konzerne. Den größten Posten dieser Sozialbilanz nimmt dabei die Geld- und Sachspende mit 4,6 Milliarden Euro ein. "Die Grundüberlegung ist, dass jedes Unternehmen auch Teil der Gesellschaft ist", verlautbarte kürzlich Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender bei Bertelsmann, in einem Interview mit dem Manager Magazin. "Folglich trägt die Wirtschaft auch soziale Verantwortung und beeinflusst die Gesellschaft." Dieser Meinung schloss sich auch Klaus Rainer Kirchhoff von Kirchhoff Consult an: "Wenn sich die Politik als nicht mehr fähig erweist, die Gesellschaft zu verändern - etwa indem sie genug Kindergartenplätze zur Verfügung stellt, so dass junge Mütter weiter ihren Beruf ausüben können -, dann erwartet die Gesellschaft diese Aufbauleistung und Versorgung eben von den Unternehmen. Eine klassische CSR-Aufgabe." Ob großer Hai oder kleiner Fisch im Becken der auf Profit und Gewinnmaximierung ausgerichteten Betriebe - das Engagement von Firmenbossen ist äußerst vielseitig. So reicht die Palette von der Bereitstellung von Kindergartenplätzen in der eigenen Firma über Geldspenden an karitative Einrichtungen bis hin zur kostenlosen Überlassung von Produkten und Waren wie beispielsweise der Überlassung von Baumaterial für das neue Vereinshaus. Laut forsa sind über zwei Drittel der Befragten der Meinung, dass Unternehmer eine bedeutendere gesellschaftliche Verantwortung haben als andere Gruppen der Gesellschaft. Interessanterweise fühlen sich Inhaber größerer Betriebe etwas häufiger verpflichtet, sich sozial einzubringen, als die Kollegen kleinerer Unternehmen. Scheinbar hat auch der Standort Einfluss auf das soziale Denken der Arbeitgeber: je kleiner der Ort, desto größer das Engagement.
Spenden sichern Überleben
Ein weiteres Ergebnis der Befragung ist, dass nach Ansicht vieler Unternehmer (83 Prozent) immer mehr öffentliche Aufgaben durch Privatinitiativen aufgefangen werden müssen, ja sogar nur so überleben können. 57 Prozent kennen mindestens ein oder sogar mehrere Beispiele für Aktivitäten und Einrichtungen, die dem Gemeinwohl dienen und ohne Unterstützung von Unternehmen eingestellt werden müssten. Ganz oben auf der Liste der Förderungswürdigen stehen Sport, Katastrophenhilfe und Kultur.
Neben den reinen Sach- und monetären Leistungen schlägt der Bereich der Ehrenamtlichkeit hoch zu Buche. Auf einen Betrag von 3,1 Milliarden Euro summiert sich diese Form der Hilfe, ausgedrückt beispielsweise durch die Übernahme von Ratsmandaten oder Leitungsfunktionen bei regionalen Hilfsorganisationen. Vielfach werden auch Mitarbeiter für derartige freiwillige Tätigkeiten freigestellt. Am häufigsten genannt wurde hierbei der Einsatz für die freiwillige Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz. Immerhin hat jeder, der sich in den vergangenen zwölf Monaten gesellschaftlich engagiert hat, rund 8.100 Euro aufgewendet.
Partner motiviert zur Förderung
Dass Partnerschaften für die soziale Entwicklung und Gestaltung einer funktionierenden Gesellschaft wichtig sind, dürfte allgemein bekannt sein. Welchen Einfluss jedoch der Partner auf das soziale Engagement eines Unternehmens hat, brachte erstmals die Institutsumfrage ans Tageslicht. Bei immerhin 69 Prozent aller Inhaber mit festem Partner ermuntert dieser zusätzlich zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Bei fast der Hälfte aller Chefs/Inhaber hat die Einstellung des/der Lebensgefährten/-in zudem Einfluss auf das Ausmaß des Engagements. Ein deutliches Wort mitzureden haben laut forsa hierbei die Frauen. Bei einem Blick in die Zukunft verheißt die Studie auch Gutes: Ein Fünftel der Befragten plant eine Steigerung seiner sozialen Tätigkeiten.

