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Dr. Christoph Mecking: Führungskräfte in Nonprofits richtig vergüten

Der Nonprofit-Sektor unterliegt einem ständigen Professionalisie-rungsdruck, muss aber auch seiner Werteorientierung Rechnung tragen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der angemessenen Vergütung haupt- und ehrenamtlicher Führungskräfte. Da es keine Vorschriften und kaum empirische Erhebungen über die marktüblichen Vergütungsstrukturen gibt, bestehen deutliche Unsicherheiten in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht. Mangels Anhaltspunkten über die richtige Entlohnung wird in der Praxis die Rekrutierung von Führungspositionen erschwert Durch eine erste Vergütungsstudie zum Führungspersonal in Stiftungen haben sich einige Anhaltspunkte ergeben, die bei der Entscheidung im Einzelfall helfen können.

Ehrenamt
Ca.90% der Stiftungen haben einen ganz oder teilweise mit neben- oder ehrenamtlich tätigen Personen besetzten Vorstand. Hingegen ist eine ehrenamtliche Geschäftsführung eher unüblich. Typischerweise zahlen Stiftungen ihren ehrenamtlichen Führungspersonen einen Auslagenersatz; eine Vergütung erhalten hingegen nur knapp 25% der ehrenamtlich Tätigen. Die Vergütungshöhe variiert stark, wird meist individuell vereinbart und richtet sich beispielsweise nach der Arbeitszeit. Die Spanne der gezahlten Vergütungen reicht von eher symbolischen Aufwandsentschädigungen bis zu mehreren Zehntausend Euro. Besonders häufig sind Vergütungen zwischen 500 und 5.000 € pro Jahr. Geschäftsführer erhalten im Durchschnitt höhere Vergütungen als Vorstände, wenden für ihre Tätigkeit aber auch mehr Zeit auf: Ehrenamtliche Vorstände arbeiten durchschnittlich 5,7 Std. pro Woche, Geschäftsführer hingegen rund 8,8 Std.

Hauptamt
Nur ca.10% der Stiftungen verfügen über einen hauptamtlichen Vorstand. Hingegen wird die Geschäftsführung in 25% der Stiftungen hauptamtlich ausgeführt, wobei in den ganz überwiegenden Fällen eine Einzelperson die Position ausfüllt. Die Spanne der Gehälter für hauptamtliche Vorstände mit 40 Wochenarbeitsstunden reicht erfahrungsgemäß von 40.000 bis 250.000 €; der Durchschnitt liegt bei ca. 81.000€ pro Jahr. Bei den Geschäftsführern liegt er bei 59.000€, die Spanne reicht von 8.000 bis 116.000€. In den meisten Stiftungen spielt die Leistung der Führungskräfte eine Rolle bei der Höhe ihrer Vergütung. Etwa die Hälfte der auch privatrechtlich organisierten Stiftungen richten sich bei der Bemessung von Vorstands- und Geschäftsführergehältern immer noch nach Vergütungsmustern der öffentlichen Hand. Außerdem können positions- und personenbezogene Kriterien eine Rolle spielen. Erfahrungsgemäß sind Vergütungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Erziehung und Wissenschaft höher als bei Sozialem oder Kultur. Private Stiftungen zahlen generell höhere Vergütungen als öffentliche. Letztlich orientiert sich die Vergütungshöhe aber an der Größe des Budgets, das die Organisation zur Verfügung hat.

Motivation und Zufriedenheit
Grundsätzlich akzeptieren Führungspersonen im Nonprofit-Sektor Vergütungen und Zusatzleistungen, die geringer sind als in der Privatwirtschaft. Woher kommt diese Haltung? Ausgleichende Vorteile, wie ein krisenfester Arbeitsplatz, eine besondere Eigenverantwortlichkeit und das Ausrichten an altruistischen Zielen spielt insofern eine Rolle. Die Arbeitszufriedenheit bei Menschen, die sich für eine Stiftungstätigkeit entscheiden, obwohl sie in der Privatwirtschaft in gleicher Position mehr verdienen könnten, ist jedenfalls im Allgemeinen sehr hoch. Die Vergütungszufriedenheit steigt aber tendenziell mit der Höhe der Gesamtvergütung.

Fazit
Die richtige Vergütung von Führungspersonen in Stiftungen ist auch in Nonprofit-Organisationen wichtig, um exzellentes Personal zu finden, das neben dem inhaltlichen Engagement auch das fachliche Know-how mitbringt. Eine angemessene, wettbewerbsfähige Vergütung ist dazu unabdingbar. Die Spanne üblicher Vergütungen ist groß. In diesem Rahmen muss für jeden Einzelfall bestimmt werden, welche Vergütung angemessen ist. Faktoren wie das Budget der Stiftung, die mit der Position verbundene Verantwortung, das Alter, der Bildungsabschluss oder die Berufserfahrung können Entscheidungskriterien sein.

Studien:
Berit Sandberg / Christoph Mecking: Führungskräfte in Stiftungen richtig vergüten
Empirische Erhebungen über marktübliche Vergütungsstrukturen im Nonprofit-Sektor sind noch immer rar. Eine Studie zur Vergütungs- und Personalpraxis in Stiftungen haben Berit Sandberg (www.fhtw-berlin.de) und Christoph Mecking (www.stiftungsberatung.de) vorgelegt. Sie geben damit eine wichtige Orientierungshilfe für die angemessene Vergütung von Führungskräften - auch über Stiftungen hinaus. Die Kurzfassung der Autoren können Sie undefinedhier als pdf-Datei herunterladen. Die komplette Studie ist zu erwerben im Internet über den Stiftung&Sponsoring Verlag (undefinedDownload des Bestellformulars im pdf-Format). 

Portrait von Dr. Christoph Mecking

Dr. Christoph Mecking

Rechtsanwalt Dr. Christoph Mecking ist Geschäftsführer des Instituts für Stiftungsberatung in Berlin, zu dessen Aufgaben die Unterstützung gemeinnütziger Organisationen in Vergütungs- und Personalfragen gehört. Daneben leitet er die Redaktion des Fachmagazins Stiftung&Sponsoring. Mit fast 20 Jahren Erfahrung gilt Dr. Mecking als einer der führenden Experten im Stiftungswesen. Von 1994 bis 1997 war er als Syndikus beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, von 1997 bis 2004 als Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen tätig.